Fall Pinguin - Konzept

Ein Maskenperformance Exkurs von Bern zum Aletschgletscher
mit zwanzig Teilnehmer*innen und zwanzig Scores zum Klimawandel
im öffentlichen Raum

Motivation

Ich möchte mit diesem transdisziplinären Projekt den Teilnehmer*innen durch Ausdrucks- und Vermittlungsformen in den Bereichen Tanz, Kunst und Film neue Zugänge zu aktuellen Klimawandelfragen ermöglichen und gleichzeitig die Thematik durch einen poetischen Dokumentarfilm einem breiten Publikum zugänglich machen. Ausgangslage des Projekts ist mein Bedürfnis, die Klimathematik fühl- und sichtbar zu machen und näher an uns heranzuführen. Zwanzig Menschen unterschiedlichen Alters, Geschlechts, Körperbaus und mit individuellen Zugängen zu Klimafragen werden in einem Sommerworkshop von professionellen Kulturschaffenden begleitet und angeleitet, persönliche und gemeinsame Pinguin-Scores zu entwickeln. Die Intention ist, damit sowohl mit Tiefgang als auch mit Humor an die Öffentlichkeit heranzutreten. Der Reiz, das Projekt mit Laien als Pinguin-Protagonisten umzusetzen, liegen darin, einerseits eine Vielfalt an natürlichen Bewegungssprachen zu integrieren und ausserdem Menschen die Kunst von Tanz- und Performance als Ausdrucksformen näher zu bringen. Voraussetzung für die Teilnahme ist das persönliche Interesse an der Thematik sowie die Bereitschaft, sich offen auf die Bewegungs- und Performancearbeit einzulassen. Aus allen Bewerbungen wird eine möglichst heterogene, aber in sich stimmige Gruppe zusammengestellt. Die Reise startet in der Kulturstadt Bern und setzt sich fort ins Berner Oberland bis hin zum Aletschgletscher. Die Stadt- und Landschaftsräume werden als Kulisse für die Performances genutzt und gleichzeitig durch den entstehenden Dokumentarfilm einem internationalen Publikum zugänglich gemacht: Pinguine schwimmen in der Aare, rutschen auf dem Bauch über den Bundesplatz, begegnen Schweizer Alpkühen und Touristen… Dadurch, dass sich die Pinguine hier in der Kulisse einer konkreten Stadt- und Berglandschaft aufhalten, werden in den globalen Auswirkungen durch den Klimawandel auch regionale Zusammenhänge gesucht. Der Mythos ist, dass die Tiere sich als Klimaflüchtlinge auf ihrem Weg auf die Suche nach neuen Lebensräumen und Nahrungsmöglichkeiten machen. Bei den Menschen hinter den Masken findet dabei ein Wandel auf verschiedenen Ebenen statt. Der Wandel vom Mensch zum Tier und die damit verbundene Ausdehnung des Selbst. Aus den Qualitäten der Gegenseitigkeit und der kollektiven Kreativität, welche den Pinguinen sehr wohl bekannt sind, schöpft das Projekt seine Kraft. Auf der entstehenden Webseite wird das internationale Publikum über Inhalte und Intentionen des Projekts informiert. Die Brücke zur Öffentlichkeit bildet in erster Linie der Dokumentarfilm, welcher den gesamten Projektprozess begleitet. Die Berner Filmpremière ist im Berner Kino Reitschule vorgesehen. Des Weiteren wird der Film bei Film-Festivals im In- und Ausland (Internationales Alpenfilmfestival FIFAD, DOK.fest München, Crossing Europe Linz u.a.) eingereicht, um eine vielseitige Verbreitung zu erreichen. Der Film wird anschliessend an das Projekt auf der Webseite per Online-Stream freigeschaltet mit dem Ziel, Menschen zum Mit- und Weiterdenken zu inspirieren und auf die Kunst als Ausdrucksform aufmerksam zu machen.

Der Pinguin als Metapher

Die Pinguine in diesem Projekt stehen für die Auswirkungen des immer rasanter fortschreitenden Klimawandels: Schmelzende Gletscher, schrumpfende Lebensräume und Nahrungsgrundlagen. Wie reagieren Lebewesen, deren lebenswichtigen Ressourcen nach und nach verschwinden? Machen sie sich auf die Suche nach neuen Lebensräumen? Werden sie zu Klimaflüchtlingen? Wie reagieren die Bewohner*innen ihrer neuen Umgebung darauf? Die Pinguine stehen gleichzeitig für willensstarke und widerstandsfähige Wesen, die in der Gruppe funktionieren und bei denen die Familie einen grossen Stellenwert hat. Sie sind bereit, weite Wege zurückzulegen auf der Suche nach Gleichgewicht für die Natur und für die Fortsetzung von Leben. Pinguine sind ausserdem Tiere, welche die Menschen süss und sympathisch finden und zu guter Letzt: Tanzende Wesen!

Performance Aspekte


Ein Element, das den gesamten Auftritt des Events auszeichnet, ist die Spontaneität, die durchgehend gezeigt wird, kombiniert mit der bemerkenswerten Menge an individuellen Beiträgen der Teilnehmer*innen. Dieser Aspekt ist hochempfindlich und passt doch sehr gut zum Ganzen. Die Teilnehmer*innen haben hierbei die Gelegenheit, kollektive Kreativität zu lernen und zu üben. Vor allem wegen seiner Vielfalt der Mitwirkenden ist es ein sehr authentisches Abenteuer. Es werden Performances für ausgewählte Orte vorbereitet und persönliche Tänze mit den gemeinsamen Pinguin Gruppenaktivitäten verbunden. Intention ist es auch, das Publikum zu einer partizipativen Aktivität zu führen. Diese Tänze werden zum ersten Mal aufgeführt und gesehen und sind an sich wundervolle Überraschungen. Während der Performances finden drei Schichten gleichzeitig statt: Eine davon ist die Gesamtaufführung der Reise von der Stadt bis hin zum Gletscher. Die zweite Schicht besteht aus den Gruppenscores mit Masken und die dritte aus persönlichen Themenscores (vereinzelt ohne Maske) der jeweiligen Teilnehmer*in an verschiedenen Orten des Weges. Die Tänze werden für Freitag, Samstag und Sonntag vorher im Workshop gescort. In Pinguin-Masken Solos, Duetten, Trios, Quartetten und gemeinsamen Gruppenscores werden wir uns im öffentlichen Raum bewegen und mit den uns gegebenen Räumen und Menschen interagieren. Möglichkeiten der Raumnutzung und wie jede*r Einzelne mit Menschen und Objekten im öffentlichen Raum interagieren kann, wird im Vorfeld im Workshop erforscht.

Methoden und Arbeitsweisen


• Malerei, Poesie, Bewegungsimprovisation nach dem Tamalpa Life/Art-Prozesses sowie
Scoring und RSVP-Zyklus Methodik nach Anna Halprin
• Tiefenökologische Prozesse nach Joanna Macy
• Verkörperung und Maskenarbeit


Der Tamalpa Life/Art Prozess eignet sich dafür, gestalterische Ressourcen zu generieren. Vom Bildmaterial und Metaphern ausgehende Poesie und Sprache fliesst in Bewegungsimprovisation und kinästhetische Arbeit ein. Gefühle werden hier auf mehreren Ebenen ausgedrückt: Das Essenzielle, was der Mensch mitbringt, manifestiert sich im Bild, über Bildmetaphern entstehen poetische Textstrukturen, welche wiederum verkörpert in Bewegung und Tanz im künstlerischen Dialog damit übertragen werden. Beim RSVP-Zyklus geht es darum, die Scores und Performances ressourcenorientiert immer wieder zu überarbeiten und zu recyceln, was gut lief und was besser gemacht werden kann.


Bei den tiefenökologischen Prozessen nach Joanna Macy stehen die inneren Prozesse und das Hineinfühlen in eine Thematik oder Fragestellung im Zentrum mit der Intention, in der Gruppe Ressourcen zu generieren, die aus der Liebe zur Schöpfung entstehen, anstatt sich einer Ohnmacht auszusetzen. Bezogen auf das Pinguin-Projekt bedeutet dies, aus dem Gefühlten heraus Lösungen und Handlungsansätze für die Klimathematik zu entwickeln und in Bezug auf künftige Generationen mehr in die eigene Verantwortung und Selbstermächtigung zu kommen.

Masken


Die Ästhetik der Masken ist gekennzeichnet durch einen hohen Realismus und der Treue zum Detail. Sie werden mit Ton modelliert, mit Gips abgeformt, in Naturkautschuk gegossen und durch Bemalung und Verzierungen tragbar gemacht. Bei der Materialwahl für die Masken wird auf eine umweltverträglichen, schadstofffreien Einsatz der Materialien grossen Wert gelegt. Diese Masken rufen durch ihren hohen Realismus eine Emphatie in uns wach und bringen uns zugleich in Berührung mit der Schönheit und Verletzlichkeit des Lebens sowie der eigenen Natur. Das plastische Annä hern an ein Tier (seiner Form, Lebensart & Bewegungen) kann empfunden werden wie ein intimes Gebet, was uns loslöst von unserer Menschzentriertheit. Es stiftet archetypische Verbindung und magisches Staunen. Die zwanzig Pinguin-Masken werden in den Monaten vorher Stück für Stück in einem circa eineinhalb monatigen Bauprozess aufwendig hergestellt. Die Gruppe wird aus sechszehn ausgewachsenen Pinguinen und vier Pinguinsprösslingen bestehen, deren Maskengestaltung sich individuell äussert.


Kostüme


Bei den Kleidern für die Performances wird Wert auf einen einheitlichen gemeinsamen Stil gelegt. Was alle in der Gestaltung verbindet, ist das zweiseitige Design, in vorne weiss und hinten schwarz. Der menschliche Körper darf in der Kleidung noch gut erkennbar sein. Die Kleidungsstücke werden im Vorfeld besorgt und anschliessend von den Teilnehmer*innen mit der Kostümschneiderin und Stylistin Lisa Ubezio-Aklin in ihrem Atelier in den Vidmarhallen passend gemacht und mit Stofffarben schwarz bemalt.

Zeitplan

April – Mai Zusammenstellung der Gruppe
Juni – Juli Vorlauf, Homescores der Teilnehmer*innen
Mitte Mai – Juli Maskenbau
27.07. – 30.07. Projektstart & Workshop
31.07. Score 1: Stadt Bern
01.08. Score 2: Thun, Berner Oberland
02.08. Score 3: Aletschgletscher (Wallis)
August – November Videoschnitt und Nachbearbeitung
28.11. Filmpremière im Kino Reitschule Bern
Ende 2020 Erstellung der Projektwebseite, Bewerbung bei Festivals
Mitte 2021 Film als Online-Stream


Probe- und Workshoport: TanzKunstWerk & Dance Complex VIDMARhallen
Könizstrasse 161, 3097 Liebefeld/ Bern, www.tanzkunstwerk.ch

Das Projekt braucht noch für eine kostendeckende Umsetzung finanzielle Unterstützung.

Dafür haben wir die Idee von Spender-Patenschaften. Hier gehts zum Link:

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